Bis 1814 gehörten im Norden und Nordwesten Teile des Allgäus zu Vorarlberg; dies und der Umstand, dass in der gesamten Region aufgrund der Besiedlung durch die Alemannen das Niederalemannische seit dem 5./6. Jhd. vorherrschte, führte im Laufe der Jahrhunderte nicht nur zu einem regen Güteraustausch, sondern auch – über einen entsprechend erweiterten Heiratskreis – zu sprachlichen Vermischungen. Vor allem im nordwestlichen Teil des Bregenzerwaldes (= Vorderwald) ist der Einfluss des Allgäuerischen besonders spürbar; dagegen dominieren im Mittel- und Hinterwald Sprachformen, die eine stärkere Verbindung mit der Region Hofsteig und Dornbirn belegen. Von außen wird aber der Wälderdialekt trotz dieser Mehrschichtigkeit und beachtlicher lokaler bis kleinregionaler Eigenheiten als ein Idiom wahrgenommen, das sich von den anderen Vorarlberger Dialekten (ein einheitliches Vorarlbergisch gibt es nicht) deutlich hörbar abhebt. [Quelle]
Dunna, domma, dinna, dussa, deana: Die Beherrschung dieser fünf Mundartwörter lässt einen zumindest wissen, wo’s lang geht: auf der Alp domma und nicht im Tal dunna, in der Hütte dinna statt dussa und im Stall deana – alles klar???
Göbl: die Kinder (andernorts auch Goga, Goba oder Gova).
Harfa (= Harfe): Schneidegerät, womit der Bruch geschnitten wird; das Gerät ähnelt einer Harfe, da zwischen zwei Hölzern feine Drähte gespannt sind.
Ränni (= Ränne) ist aus den Mägen von Kälbern oder jungen Ziegen gewonnenes Lab, das die Milch gerinnen lässt.
Schmelga: so werden im Bregenzerwald junge Mädchen bezeichnet.
Schotta (= Schotten) heißt das Käsewasser, das nach der ersten Scheidung aus der Käsemasse abfließt (aus lateinisch excocta = Ausgekochtes). Das Geschlecht des Wortes wechselt: In Nordvorarlberg ist der Schotten männlich, in Südvorarlberg und bei den Walsern ist die Schotte weiblich. (Ruoff, Arno; Gabriel, Eugen: Die Mundarten Vorarlbergs. Graz 1998. S 152)
Worb’l (= Worbel): Gerät zum Umrühren der Käsemasse, das aus einem Stecken mit Drahtbögen besteht. Zugrunde liegt das Wort Weibel zum mittelhochdeutschen Verbum weiben = hin und her bewegen, drehen. (Daher auch der Weibel = Amtsbote, der Nachrichten unter die Leute bringt!). (Ruoff, Arno; Gabriel, Eugen: Die Mundarten Vorarlbergs. Graz 1998. S 151)
Und hier noch ein aktuelles und populäres Beispiel Bregenzerwälder Mundart:
Der “Holstuonarmusigbigbandclub” ist mit “Vo Mello bis ge Schoppornou” am 24. 9. auf Rang 24 der österreichischen Charts gestiegen und steht an der Spitze der iTunes-Charts für Österreich! Und: 300.000 Views auf YouTube.
Grund genug auch einem breiteren Publikum den Text des Liedes ein wenig näher zu bringen (inklusive Hochdeutscher Übersetzung):
Samstag z’Obad a dr Egg – i bea wiedar amol halb varreckt 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 Gläsle sand oas z’viel gsin – i gloub i ka nix drför. No an letschta Blick uf mine Rolex Uhr – oa Oug zua – dass i jo da Zwölfar seah A Glück kea – a Glück kea – und schö hat ar mi gseah Guni seit iatz züad Fäda – i dor nämle zu mi Läda
Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa – d’Füaß hend mr weh tau Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa – d’Füaß hend mr weh tau Weh tau – weh tau – weh tau – d’Füaß hend mr weh tau Weh tau – weh tau – weh tau – d’Füaß hend mr weh tau
Usse us um Tritsch, abe vor a Kässtadl – Hond usse – warta bis an Karra kunnt 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 Stunda hean i g’wartat – und zmol kunnt an rota Clio doher Deana hockt an Dütscha – ar seyt – ich kann dich mitnehmen bis nach Mellau von da an musst du schauen wie du selber weiter kommst und jetzt steig ein und mach das Fenster auf es stinkt. “Jo reg di ned of, zefix!”
Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa – d’Füaß hend mr weh tau Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa – d’Füaß hend mr weh tau Weh tau – weh tau – weh tau – d’Füaß hend mr weh tau Weh tau – weh tau – weh tau – d’Füaß hend mr weh tau
Blausa kea an Füaßa – Blausa kea am Kopf – so bean i ie trolat – i üs Gadaschopf 1 – 2 – 3 – halbeviere wird as gsin sin – Mama ischt schö ufret gsin Se seyt – hey Buab wo bischt schö wiedr gsin – allad umanand sufa das kan as doch nüd sin – das kann as doch nüd sind – hey Vatr säg ou amol eats: Jo lass a macha – er werd schö wissea was ar tuat.
Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa – d’Füaß hend mr weh tau Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa – d’Füaß hend mr weh tau Weh tau – weh tau – weh tau – d’Füaß hend mr weh tau Weh tau – weh tau – weh tau – d’Füaß hend mr weh tau
Von Mellau bis nach Schoppernau (Übersetzung)
Samstag Abend an der Egg – ich bin wieder einmal halb verreckt 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 Gläser sind eines zuviel gewesen – ich glaub ich kann nichts dafür Noch einen letzten Blick auf meine Rolex Uhr – ein Aug zu, dass ich noch den Zwölfer sehe Ein Glück gehabt – ein Glück gehabt – und schon hat er mich gesehen Guni (der Wirt) sagt jetzt zieh‘ mal Fäden – ich schließe nämlich meinen Laden
Von Mellau bis nach Schoppernau bin ich gelaufen – die Füße haben mir weh getan Von Mellau bis nach Schoppernau bin ich gelaufen – die Füße haben mir weh getan Weh getan – weh getan – die Füße haben mir weh getan Weh getan – weh getan – die Füße haben mir weh getan
Hinaus aus dem Tritsch (Lokalname), hinunter vor den Kässtadl (ebenfalls Lokalname) – Hand hinaus (zum Stoppen) – warten bis ein Auto kommt 1-2-3-4-5-6-7 Stunden habe ich gewartet – und auf einmal kommt ein roter Clio daher Drinnen sitzt ein Deutscher – er sagt – ich kann dich mitnehmen bis nach Mellau von da an musst du schauen wie du selber weiter kommst und jetzt steig ein und mach das Fenster auf – es stinkt – „Ja reg‘ dich nicht auf – Kruzifix“
Von Mellau bis nach Schoppernau bin ich gelaufen – die Füße haben mir weh getan Von Mellau bis nach Schoppernau bin ich gelaufen – die Füße haben mir weh getan Weh getan – weh getan – die Füße haben mir weh getan Weh getan – weh getan – die Füße haben mir weh getan
Blasen gehabt an den Füßen – Blasen gehabt am Kopf – so bin ich hinein gestolpert auf unseren Balkon (wortwörtlich übersetzt: Gada = Elternschlafzimmer / Schopf = Schuppen; Gadaschopf wird im Bregenzerwald allgemein für eine Art von Balkon verwendet) 1 – 2 – 3 – halbvier wird es gewesen sein – Mama ist schon wach gewesen
Sie sagt, hey Bub wo warst du schon wieder – immer herum saufen das kann es doch nicht sein das kann es doch nicht sein – hey Vater sag auch einmal etwas dazu: „Ja lass ihn machen – er wird schon wissen was er tut!“
Von Mellau bis nach Schoppernau bin ich gelaufen – die Füße haben mir weh getan Von Mellau bis nach Schoppernau bin ich gelaufen – die Füße haben mir weh getan Weh getan – weh getan – die Füße haben mir weh getan Weh getan – weh getan – die Füße haben mir weh getan
RSS abonnieren











